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 Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen

Die Weisheit des Mittelalters

Hildegard von Bingen war eine herausragende Persönlichkeit. Die im Jahr 1098 in Bermersheim bei Alzey geborene Äbtissin und Mystikerin schuf vor über 800 Jahren ein theologisches und heilkundliches Gesamtwerk, das bis heute einzigartig geblieben ist. Dabei waren vor allem die heilkundlichen Schriften ihrer Zeit weit voraus. Ihr methodischer Ansatz könnte der modernen Ganzheitsmedizin entstammen, welche den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist betrachtet. Schon nach Hildegards Überzeugung ist jeder Mensch ein geistiges Wesen, welches mit Schöpferkräften begabt und beauftragt ist, seinen Teil an der Schöpfung zu leisten.

Die Grundursache aller Erkrankungen führt Hildegard daher auf das Abweichen von diesem »inneren Sinn«, dieser »Lebensaufgabe« zurück. Das ist für sie die Absonderung vom göttlichen Kern, der Sündenfall (»Sünde« geht auf das Wort »sondern« = »trennen« zurück), der nicht allein in ferner Vergangenheit im Garten Eden geschah, sondern sich immer dann vollzieht, wenn wir von unserer inneren Wahrheit abweichen. Diese »Fehltritte« stören nach Hildegards Ansicht die Harmonie der Seele und des Körpers. Die Folge sind unausgeglichene Temperamente und Körpersäfte als Nährboden für seelische und körperliche Leiden.

Heilung im Sinne Hildegards bedeutet daher nicht nur das Behandeln und Verschwinden von Krankheitssymptomen, sondern erfordert nach ihrer Überzeugung eine grundlegende Lebenskorrektur. Diese beginnt mit einem maßvollen, bewußten Leben und der Erforschung des eigenen Lebenssinns. Darauf aufbauend kann eine Harmonie zwischen Körper und Seele erreicht werden, indem man körperliche Symptome als den Ausdruck seelischer Probleme versteht und entsprechend behandelt. Schließlich runden eine gesunde Ernährung, regelmäßige Entgiftung und Ausleitung sowie die Stärkung der Abwehrkräfte das Hildegard'sche Gesundungsprogramm ab.

Einen hohen Stellenwert in der Medizin Hildegards besitzen die Edelsteine, welchen sie das vierte Buch der um 1150 verfaßten »Physica« widmet. »Gott (...) ließ weder das Strahlen noch die Kräfte der Edelsteine vergehen, denn er wollte, daß sie auf Erden geschätzt und gepriesen würden und als Heilmittel dienen«, so schreibt Hildegard in der Einführung zum »Buch von den Steinen«, das nicht nur mit interessanten heilkundlichen, sondern auch ernstzunehmenden mineralogischen Erkenntnissen aufwartet.

Das mag sich verwegen anhören, nichtsdestotrotz ist es eine Tatsache. So bietet Hildegard von Bingen Beschreibungen von der Entstehung der Edelsteine, die sie »zu ihrer Zeit« eigentlich »gar nicht hätte haben dürfen«. Bereits im 12. Jahrhundert liefert sie symbolische, doch stets treffende Darstellungen von geologischen Vorgängen, die sich jeglicher direkten Anschauung entziehen. Sie beschreibt z.B. magmatisch gebildete Steine als »der Sonnenglut entstammend«, wogegen durch Verwitterung gebildete Steine »ihren Ursprung in der Luft und dem Wasser« haben - und bei metamorphen Steinen erwähnt sie gar, daß »die Sonne (= Magma) das Gestein eines bereits bestehenden Berges mächtig zum Glühen bringt«. Bessere Bilder von magmatischen, sedimentären und metamorphen Vorgängen hätte Hildegard von Bingen in der mittelalterlichen Terminologie wohl kaum erschaffen können! - Und all das 600 Jahre vor der Entstehung der modernen Mineralogie;

Woher diese Erkenntnisse Hildegards stammen, entzieht sich unserer Beurteilung. Wir müssen dahingestellt sein lassen, ob es sich hierbei um Visionen oder das Ergebnis einer außergewöhnlichen, Einfühlungsgabe handelt - nur eines steht fest: Es handelt sich nur in Ausnahmefällen um ältere Überlieferungen, da literarische Vorbilder zumeist fehlen!

Von einer ähnlichen Genauigkeit sind Hildegards heilkundliche Erkenntnisse zur Wirkung der Edelsteine. Unabhängig von ihren Texten bestätigen die modernen Forschungen der Steinheilkunde ähnliche Eigenschaften der Heilsteine, wobei jedoch unbedingt die bereits erwähnte Namensentwicklung der Edelsteine zu berücksichtigen ist .

Eine moderne Interpretation der Edelsteinmedizin Hildegards bietet Michael Gienger in seinem Buch »Die Heilsteine der Hildegard von Bingen«, in welchem auch der Wandel der Namen berücksichtigt wird. Darüberhinaus entschlüsselt Gienger in seinem neuen Werk »Die Edelsteinuhr der Hildegard von Bingen« die Zeitangaben Hildegards als optimale Anwendungsmomente, die unserer inneren Organuhr entsprechen. Damit wird die lange Zeit als mystisch und unverständlich bezeichnete Edelsteinmedizin Hildegards für jedermann zugänglich und anwendbar.

Quelle: Cairn Elen Lebensschule,
Steinheilkunde, Ein Leitfaden
Verlag NEUE ERDE

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