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 Historisches

Die vergessene Kraft der Steine

Spuren der Steinheilkunde von der Antike bis zur Moderne

Die ältesten Zeugnisse, die heute noch von der Heilkraft der Steine berichten, sind neben archäologischen Funden, deren Deutung meist sehr spekulativ bleibt, und den noch bestehenden Traditionen der Naturvölker vor allem medizinische Werke aus Indien, Chaldäa, Mesopotamien, Ägypten, dem antiken Griechenland und Rom. Allen ist der selbstverständliche Glaube an eine Heilkraft der Steine ebenso zu eigen wie das Eingebundensein aller Heilanwendungen in die jeweiligen kulturellen und religiösen Hintergründe.

So ist die Heilkraft der Steine in ihren Anfängen untrennbar mit der Astrologie verknüpft. Steine wurden ebenso wie die Himmelskörper als Ausdruck göttlicher Prinzipien betrachtet, als »handhabbare Planeten« gewissermaßen, mit denen die zur Heilung erforderlichen göttlichen Kräfte herbeigerufen werden konnten. Da der Götterhimmel Indiens, Chaldäas, Mesopotamiens, Ägyptens und der griechisch-römischen Antike interessanterweise stets Gottheiten ähnlicher Natur beherbergte, wurden auch die Attribute der zugeordneten Edelsteine zunächst kaum verändert.

Forscher wie Baron Dr. von Oefele vermuteten reale Erfahrungen mit der Heilkraft von Steinen als Ursprung der antiken Edelsteinmedizin. Durch fortwährendes Abschreiben und Umdeuten der Namen und Bezeichnungen wurde der Sinn und Wahrheitsgehalt im Laufe der Jahrhunderte jedoch zunehmend entstellt. Nur mit Mühe können daher aus allen antiken und mittelalterlichen Schriften konkrete Hinweise zur Heilkraft der Steine ermittelt werden.

Eine Änderung trat erst im 12. Jahrhundert mit dem außergewöhnlichen Werk der Benediktineräbtissin Hildegard von Bingen ein. Hildegards medizinische Schriften »Physica« und »Causae et curae« unterscheiden sich sehr von den Darstellungen ihrer Zeitgenossen und Vorgänger. Gerade auch das vierte Buch der Physica, das »Buch von den Steinen«, bietet erstmals wieder völlig neue Erkenntnisse zur Heilkraft der Edelsteine, welche selbst die heutige Steinheilkunde noch beeinflussen - aus diesem Grund wird Hildegard in diesem Leitfaden ein eigenes Kapitel gewidmet.

Doch im Mittelalter geriet Hildegard von Bingen sehr schnell wieder in Vergessenheit. Derweil setzte sich die Kette der antiken Überlieferungen fort, welche in der Renaissance schließlich noch einmal belebt wurden. Zu dieser Zeit fand auch die traditionelle Steinheilkunde ihren letzten literarischen Ausdruck. (Bernardus Caesius: De mineralibus. Florenz 1636)

Mit der zum Ende des 17. Jahrhunderts einsetzenden Aufklärung begann jedoch ihr vorläufiger Niedergang. Für die traditionskritische, vernunftbetonte Aufklärung und die neuentstehenden Naturwissenschaften war die Heilkraft der Steine schlicht Aberglaube. Zwar mangelte es der Steinheilkunde nicht an Erfolgen, jedoch fehlte der Chemie und der mechanisch orientierten Physik damals jegliches Verständnis für Strahlungen oder energetische Felder. Die Steinheilkunde verschwand in den Geheimgesellschaften.

In der Folge finden sich nur noch wenige Überlieferungslinien in die Moderne. Über alchemistische Traditionen und die Anthroposophie blieb ein kleiner Teil des ursprünglichen Wissens bewahrt, alles andere mußte jedoch neu erforscht und erschlossen werden. Lediglich Märchen und Mythen bieten heute noch einen lebendigen Einblick in das alte Wissen - doch der Schlüssel zu ihren verborgenen Inhalten ist oft nicht leicht zu entdecken. Eine Möglichkeit, diesen Wissensschatz zu erschließen, bieten die »Kristall-Legenden« von Moyra Caldecott.

Quelle: Cairn Elen Lebensschule,
Steinheilkunde, Ein Leitfaden
Verlag NEUE ERDE

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